„Im Hafen gehen die Lichter aus“

„Mietvertrag wird nicht verlängert, nach 24 Jahren ist Schluss“, „Abriss, alles muss raus“ ...


Die Worte hallen mir noch tief in meinen Sprungfedern nach, als ich langsam aus diesem Alptraum aufwache. Der Hafen soll schließen, was für ein Quatsch, denke ich noch ganz benommen. Seit 24 Jahren bin ich hier zu Hause, habe Künstler kommen und gehen sehen, und bisher jedem ein gemütliches Plätzchen geboten. Apropo, was hat mich eigentlich aus meinem wohlverdienten Schlaf gerissen? Da macht sich doch jemand an meinen Lederpolstern zu schaffen… habe ich etwa das nächste Konzert verschlafen? Langsam reibe ich mir den Schlaf aus den Augen, um einen Blick auf den Störenfried zu werfen. Was ich sehe kann ich mir aber nur damit erklären, dass ich noch immer in meinem Alptraum gefangen bin- wo bin ich hier? Warum ist es hier so hell und seit wann steht mir ein Kassencounter direkt vor der Nase? „Da hinten ist noch ein kleines Brandloch, aber ich denke das können wir so lassen, wer weiß wessen Zigarette das war!“, höre ich einen blonden Mann sagen. Der klopft hier also auf meinen Polstern rum, ob ich in einer Werkstatt bin, um wieder aufpoliert zu werden? Nein, dafür ist der Geruch in der Luft zu angenehm. Ich schaue mich unauffällig um. Überall stehen hier Platten und Leute, die sich von diesem blonden Mann beraten lassen. Irgendwie kommt er mir bekannt vor, aber ich weiß nicht warum. Was steht da am Fenster? TWOSIDES… Was mache ich hier und wie bin ich hierher geraten? Es trifft mich wie der Blitz! Ich bin nicht im Hafen, ich habe nicht schlecht geträumt, es gibt ihn wirklich nichtmehr. Wage erinnere ich mich an Gespräche über einen nicht verlängerten Mietvertrag und an die Anweisung das ganze Inventar loszuwerden- einschließlich mir. Der blonde Mann hat mich gerettet! Plötzlich fährt es mir durch die alten Nähte und mir fällt alles wieder ein! Der Hafen musste schließen und ich wäre beinahe auf der Müllkippe gelandet. Der Schock darüber hat mich in eine Art Dämmerschlaf versetzt, so dass ich die letzten Tage alles wie in Trance wahrgenommen habe. Mit dieser neuen Erkenntnis schaue ich mich nochmal genauer um! Ich glaube ich bin in einem Plattenladen gelandet. Ich sehe unendlich viel Vinyl, Shirts und Buttons mit Bandlogos- eigentlich gefällt es mir hier. TWOSIDES- recordstore, print and more. Den Zusatz sehe ich erst auf den zweiten Blick. Also wirklich ein Plattenladen. Das ich auf meine alten Tage nochmal einen Umzug miterlebe, irgendwie finde ich die Vorstellung spannend. Wer weiß was auf mich zukommt- zumindest sieht es nicht so aus, als würde mir hier jemand weitere Löcher in mein schönes Leder brennen. Hier läuft Musik, überall stöbern Menschen durch die Platten, unterhalten sich und schauen glücklich dabei aus! Ob sie wissen, wer ich bin? Die berühmt berüchtigte Couch aus dem Hafen? Ob ich hier jetzt fest wohne und interessante Bekanntschaften machen werde? Ich lasse mich überraschen, vielleicht sollte ich ein Tagebuch führen, um alles zu dokumentieren, was in meinem neuen Wohnsitz so passiert und vielleicht gebe ich sogar einige meiner alten Anekdoten zum Besten! Ich denke, das werde ich machen, aber erstmal werde ich mich hier ein bisschen einleben.




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